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Besseres Gespräch - bessere Versorgung: Kommunikationstraining für Medizinstudenten

10. Jul. 2015

Erstes Mustercurriculum für Arzt-Patientenkommunikation ist da

Medizinstudierende werden zukünftig intensiver auf das Arzt-Patientengespräch vorbereitet. Foto: Universitätsklinikum Heidelberg

Universitätsklinikum Heidelberg, 10. Juli 2015 - Vertreter aller 36 deutschen Medizinischen Fakultäten versammeln sich am 14. Juli 2015 zum Abschlusstreffen im Projekt "Nationales longitudinales Mustercurriculum Kommunikation in der Medizin" / Medizinstudenten werden in Zukunft intensiver auf das Gespräch mit Patienten – auch in schwierigen Situationen – vorbereitet / Journalisten sind herzlich eingeladen, Referenten stehen für Interviews zur Verfügung

Ziel ist es, angehende Ärzte besser als bisher auf Gespräche mit Patienten vorzubereiten - von der Impfberatung bis zum Überbringen einer aussichtslosen Krebsdiagnose: In den letzten drei Jahren haben mehr als 500 Vertreter aller 36 deutsche Medizinischen Fakultäten gemeinsam mit medizinischen Fachgesellschaften einen beispielhaften Kommunikations-Lehrplan für Medizinstudenten erarbeitet, der vom ersten Semester an ein ausführliches Gesprächstraining - auch für heikle oder schwierige Themen - vorsieht. Nun findet am Dienstag, 14. Juli 2015, in Heidelberg das Abschlusstreffen des Projekts "Nationales longitudinales Mustercurriculum Kommunikation in der Medizin" statt. "Das Konzept steht. Nun folgt die nächste Mammutaufgabe: die Einbindung in die bestehenden Curricula. Das soll bis 2017 abgeschlossen sein", sagt Projektleiterin Professor Dr. Jana Jünger, Oberärztin am Universitäts­klinikum Heidelberg. "Im Idealfall beteiligen sich daran alle medizinischen Disziplinen mit zum jeweiligen Lehrinhalt passenden Fallbeispielen." Dazu werden deutlich mehr speziell geschulte Tutoren und Dozenten benötigt als bisher zur Verfügung stehen. Die erste entsprechende Schulung für studentische Tutoren findet Ende Juli in Heidelberg statt. 

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Behandlungserfolg kann von Qualität des Arzt-Patientengesprächs abhängen

Schätzungsweise mehr als 200.000 Gespräche führt ein Arzt im Laufe seines Berufslebens mit Patienten. Studien haben gezeigt: Vom Verlauf dieser Gespräche hängt viel ab. Hat der Patient das Gefühl, der Arzt hört ihm zu, geht auf seine Sorgen ein und informiert ihn umfassend und verständlich, ist er eher bereit, dem Arzt zu vertrauen und die Therapieempfehlungen einzuhalten. Das erhöht den Behandlungserfolg. Misslingt das Gespräch, z.B. weil der Arzt den Patienten zu früh unterbricht, kann das schlimmstenfalls zu falschen Diagnosen oder Fehlbehandlungen führen, auf jeden Fall aber zu Frust auf beiden Seiten und geringer Kooperationsbereitschaft der Patienten. Trotzdem wurde das Gesprächstraining an den Universitäten bisher eher stiefmütterlich behandelt, zu wenig und zu spät gelehrt. Zwar wird mittlerweile in allen Medizinischen Fakultäten Arzt-Patienten-Kommunikation gelehrt. "Der Unterricht war aber bisher häufig sehr theoretisch und bezog sich eher auf allgemeine Gesprächsführung. Die Anwendung in den einzelnen Fächern mit ihren sehr unterschiedlichen Patientengruppen und jeweils anderen Kommunikationserfordernissen kam dabei zu kurz", so Jünger. "Es ist aber etwas völlig anderes, ob man einen Patienten über Vorteile und Risiken einer Vorsorge­untersuchung berät, mit ihm über ein Tabuthema wie Inkontinenz spricht oder jemandem mitteilen muss, dass sein Kind an einem Hirntumor leidet. Das kann man nicht theoretisch lernen." (...)

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